Deutsche AWM CIO Flash: Ausblick Großbritannien – Wahl ins Ungewisse Stand (05.05.2015)

Folgen für den Aktien-, Renten- und Devisenmarkt des Königreiches

Das Ergebnis der Wahlen im Vereinigten Königreich diesen Donnerstag wird den Märkten die Unsicherheit so schnell nicht nehmen können. Einem vermutlich uneindeutigen Ergebnis werden wahrscheinlich langwierige Verhandlungen zwischen den Parteien folgen. Wir schauen uns die Folgen dieser erwarteten Hängepartie für den Aktien-, Renten- und Devisenmarkt des Königreiches genauer an.


Quelle: Deutsche Asset & Wealth Management Investment GmbH, CIO Office, Stand: 05.05.2015



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Derzeitige Lage

Am 7. Mai sind Wahlen im Vereinigten Königreich. Laut jüngsten Umfragen würde es weder für die Conservative Party noch für die Labour Party für eine Mehrheit der 650 Parlamentssitze reichen. In diesem Fall müssten beide Parteien versuchen, entweder eine Minderheitsregierung zu stellen oder eine formelle oder informelle Koalition mit einer der kleineren Parteien zu bilden.


Die Conservative Party könnte laut Umfragen mit 270 bis 280 Sitzen als stärkste Partei aus der Wahl hervorgehen. Das könnte sie zu einem Alleingang verleiten, da es ihnen schwer fallen könnte, Koalitionspartner zu finden. Ihr jetziger Partner, die Liberaldemokraten, werden aller Voraussicht nach einen Großteil ihrer Stimmen verlieren und sind zudem intern beim Thema Partnersuche zerstritten. Außerdem kämen die Democratic Unionists (Nordirland) sowie die UKIP in Frage, beides jedoch alles andere als angenehme Koalitionäre.


Die Labour Party kann nach letztem Stand mit 260 bis 270 Sitzen rechnen. Zwar würde dies zusammen mit den erwarteten rund 55 Stimmen der Scottish National Party (SNP) und der Unterstützung einiger anderer kleinerer Partei für die nötigen 326 Stimmen reichen. Labour hat jedoch jede Zusammenarbeit mit der SNP ausgeschlossen. Es ist unklar, ob diese Aussage als Wahlkampfhilfe in Schottland dient, zur Beruhigung der englischen Wähler oder als Vorbereitung einer Minderheitsregierung (mit informeller Unterstützung der SNP).


Das zunehmend zersplitterte Parteienspektrum und der unter diesen Umständen noch wenig erprobte Koalitionsbildungsmechanismus wird die Märkte zunächst im Ungewissen lassen. Ein Mehrheitssieg der Conservative Party würde mittelfristig Unsicherheit schaffen, denn dann müssten sie bis spätestens Ende 2017 ihr Versprechen einhalten, die Briten über den Verbleib ihres Landes in der EU abstimmen zu lassen. Trotz offenen Ausgangs könnte allein der Ausblick auf diese Abstimmung die Märkte belasten.

Ablauf

Das Wahlergebnis wird Sitz für Sitz in der Nacht vom 7. zum 8. Mai bekannt gegeben werden. Anschließend können die Parteien in Koalitionsverhandlungen treten. Dies dauerte nach den Wahlen 2010 sechs Tage. Am 18. Mai tritt das Parlament wieder zusammen. Am 27. Mai wird die Königin ihre „Queen‘s speech“ halten – und dem Parlament eine zusammengefasste Regierungserklärung verlesen. Bis dahin muss also eine der Großparteien die Königin überzeugt haben, eine handlungsfähige Koalition bilden zu können. Anfang Juni stimmt das Parlament über die „Queen‘s speech“ ab. Eine Niederlage der Regierung zieht die Neubildung einer Regierung nicht automatisch nach sich. Doch das Ansehen der Regierung wäre schon früh beschädigt und die Vertrauensfrage könnte schon wenig später gestellt werden.

Drei wichtige Einflussgrößen gilt es zu beachten

  1. Unsicherheit über Zusammensetzung und Stabilität der Regierung: Die Koalitionsverhandlungen könnten sich über einige Wochen erstrecken, schlimmstenfalls steht die neue Regierung erst Anfang Juni oder sogar später. Man würde erwarten, dass die Märkte auf so ein Szenario negativ reagieren. Sie könnten jedoch eine längere Hängepartie irgendwann auch als Normalität begreifen und sich wieder anderen Treibern widmen.
  2. Parteiprogramme: Einfach gesagt: Eine konservative Regierung würde vor allem am Anfang ihrer Legislatur versuchen, das Haushaltsdefizit zurückzufahren. Labour hingegen würde einige Sektoren wieder stärker regulieren wollen. Die SNP hingegen würde eine expansive Fiskalpolitik fahren wollen.
  3. Längerfristige Sorgen wegen des „Brexit“-Referendums: Die Conservative Party hat versprochen, bis Ende 2017 eine Volksabstimmung zum Verbleib Großbritanniens in der EU durchführen zu lassen. Im Falle einer Koalitionsregierung könnten sie von diesem Versprechen abweichen, ansonsten wäre wohl damit zu rechnen. Allein die Aussicht darauf – so ungewiss das Abstimmungsverhalten der Briten auch sein wird – würde die Märkte mittelfristig belasten.

Auswirkungen auf die Anlageklassen

Anleihen: Unsicherheit würde britische Staatsanleihen gegenüber US-Treasuries verbilligen. Sie könnten dennoch interessant bleiben, insbesondere mit Blick auf die Renditen der deutschen Bundesanleihen. Es bliebe abzuwarten, ob die Bank of England (BoE) einer potenziell expansiveren Fiskalpolitik einer Labour-geführten Regierung mit einer früheren Zinserhöhung entgegentreten würde. Auch das Gegenteil wäre allerdings denkbar: dass die BoE einer Marktabkühlung, mit einer Verzögerung der Zinswende begegnen könnte.


Aktien: Seit Jahresanfang haben sich britische Aktien schlechter als die der Eurozone entwickelt, unter anderem wegen der stimulierenden Wirkung der EZB QE-Maßnahmen auf Euro-Aktien. Unserer Meinung nach werden die meisten britischen Aktien eher von weltwirtschaftlichen als von innenpolitischen Entwicklungen getrieben. Die Wahl dürfte daher nur für wenige Sektoren relevant sein, etwa Versorger (aus Angst vor einer Regulierungszunahme) oder Verteidigung (Ausgabenkürzung) im Falle einer Labour-Regierung. Lediglich eine längere regierungslose Zeit könnte sich auf britische Aktien negativ auswirken. Eskalierende Probleme in der Eurozone dürften jedoch, wie bereits in der Vergangenheit, zu Mittelzuflüssen in den britischen Markt führen.


Währungen: Das Pfund dürfte vor diesem Hintergrund weiter schwächeln. Nur ein klarer Sieg einer der zwei großen Parteien, welcher langwierige Koalitionsverhandlungen oder gar Neuwahlen ausschließen würde, würde das Pfund in den nächsten Wochen stärken.


Quelle: Deutsche Asset & Wealth Management Investment GmbH, CIO Office, Stand: 05.05.2015
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Kapitalmarkt Großbritannien

Mit freundlicher Genehmigung der Deutsche Asset & Wealth Management Investment GmbH vom 06.05.2015